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FMG-FlightTraining – Verkehrsfliegerschule am Flughafen Paderborn Lippstadt

Im Kleinhirn der Fluggesellschaft

TUI/FMG Im Rahmen einer Kooperation bietet die Flugschule FMG mit der TUlfly die Ausbildung zum Flugdienstberater an.

Irgendwo auf den griechischen Inseln hängt ein Flugzeug fest. Probleme mit der Hydraulik. Knapp 190 Urlauber warten darauf, nach Hause zu fliegen. Langsam werden sie unruhig. In Deutschland beginnt in Kürze der Check-in für den nächsten Flug dieses Flugzeugs. Wieder 189 Urlauber, die um jeden Preis befördert werden müssen. In der Verkehrszentrale der Airline herrscht Hochbetrieb. Sämtliche Flugzeuge sind im Einsatz, jedes einzelne ist verplant, der für den Griechenland-Flug zuständige Flugdienstberater muss sämtliche Register ziehen: Den Reiseveranstalter informieren, dass da ein Flug verspätet sein wird, die Technik kontaktieren, um zu beraten, wie der Fehler in der Hydraulik schnellstmöglich behoben werden kann, mit der Crewleitung sprechen, für den Fall, dass die Dienstzeiten der zuständigen Besatzung überschritten werden, Catering und Abfertigung vor Ort in Kenntnis setzen, dass es Probleme gibt, die Station und die Piloten in Griechenland auf dem Laufenden über den Stand der Dinge halten, und, und, und .. . Ein Flugdienstberater muss im Notfall eine eierlegende Wollmilchsau sein. Trotz Stress einwandfrei funktionieren, in höchstem Maße team- und kommunikationsfähig sein, Organisationstalent aufbringen, den Überblick bewahren, ohne die Details aus dem Auge zu verlieren. Und Schichtdienst muss er auch noch mögen. Er erstellt den Flugplan, versorgt die Piloten mit allem, was die für ihren Flug wissen müssen, ist während der gesamten Dauer dieses Fluges Ansprechpartner für alle daran Beteiligten und unter Umständen auch Entscheider über vielstellige Geldbeträge, wenn dies die Situation erfordert – Unterbringung von Fluggästen in einem Hotel, sollte der Flug ausfallen, Charterung eines kleinen Jets, um Ersatzteile und notfalls Techniker irgendwo hin zu bringen, Organisation von Reisebussen, wenn ein notwendiger Weitertransport der Passagiere wegen Nachtflugverbots nicht mehr realistisch ist, etc. Die Verkehrszentrale, sagt Thorsten Lehr, Duty Manager TUI Group Operation Center (GOC) & Chief Training, sei das Kleinhirn einer Fluggesellschaft. Hier wird gerechnet, geplant und organisiert, und wenn sie nicht richtig funktioniert, kann das eine Airline teuer zu stehen kommen. Interessanterweise gibt es zwar den Beruf den Flugdienstberaters, seit die kommerzielle Fliegerei existiert, jedoch keine Ausbildung nach einheitlichen Richtlinien mit entsprechender Lizenz. Abgesehen von Deutschland. Hier wird seit Jahrzehnten ausgebildet – von der Lufthansa Flight Training, von der IFR-Flugschule Reichelsheim, vor Jahren von der inzwischen nicht mehr existenten Cirrus Flight Training sowie seit kurzem von der FMG-Flight Training – und vom LuftfahrtBundesamt lizensiert.

Im Kleinhirn der Fluggesellschaft

Mag langweilig aussehen, ist es aber nicht:
der Arbeitsplatz eines Flugdienstberaters.

Nun gibt es angehende Piloten, die im Laufe ihrer Ausbildung tatsächlich feststellen, dass das Fliegen eigentlich gar nicht ihr Ding ist. Die gerne organisieren und koordinieren. Denen es mehr Spaß macht, knifflige Sachverhalte zu erarbeiten und zu systematisieren, an statt im Cockpit vollen Schub zu geben – und die trotzdem nachhaltige Entwicklungen ins Rollen bringen. So wie bei der FMG. Dort hatte ein Flugschüler festgestellt, dass er lieber Flugdienstberater werden wolle, und seinen „Chef“ so lange bearbeitet, bis er den Auftrag erhielt, zu recherchieren, was die Flugschule alles tun müsse, um eine derartige Ausbildung ins Portfolio aufnehmen zu können. Eigentlich überraschend wenig. Denn die Theorie-Fächer, die die angehenden Flugdienstberater lernen müssen, decken sich mit denen, die in der ATPL-Ausbildung gelehrt werden, auch wenn es dabei nicht so stark ins Detail geht. Erforderlich sei vor allem, lacht FMG-Chef Michael Gross, dass die FTO (Flight Training Organisation) mit einem ebenfalls zur Ausbildung berechtigten Flug- AIRLI NE betrieb, beispielsweise einer Airline, zusammenarbeiten müsse, die dann den Praxisteil übernimmt.

Thorsten Lehr

Thorsten Lehr

Auf der Suche nach einem Partner traf Gross zufällig auf Thorsten Lehr. FMG und TUIfly kooperierten bereits im Rahmen der Pilotenausbildung, dennoch kannten sich die beiden Männer nicht. Man traf sich, man verstand sich und beschloss, auch bei der Ausbildung zum Flugdienstberater zusammenzuarbeiten. Nun ist der erste Anwärter – jener ehemalige Flugschüler, der lieber planen als fliegen wollte – fast fertig. Seine ATPL-Theorie wurde vom LBA für die Flugdienstberater-Lizenz anerkannt, so dass er dort die entsprechende Theorieprüfung ablegen konnte. Dann ging er für drei Monate ins TUI GOC, um den praktischen Teil zu lernen. Auch die praktische Ausbildung schließt mit einer Prüfung ab, doch wenn die Lizenz erteilt ist, wird der künftige Flugdienstberater erst einmal ein paar Wochen auf die speziellen Anforderungen seines jeweiligen Arbeitgebers eingenordet, dann erfolgt ein „Check-out“, und erst danach darf er selbstständig im Flight-Ops, in der Verkehrs zentrale arbeiten. Derzeit bietet Gross die Ausbildung noch als „Schmankerl“ für ATPL-Schüler an. Für 7000 bis 8000 Euro mehr können sie nach der ATPL-Theorie-Prüfung, die für die Flugdienstberater- Theorie angerechnet wird, ins TUI GOC gehen, um drei Monate später die Lizenz zu erwerben. Oder sie machen erst den ATPL fertig und wechseln dann nach Hannover. Niemand, der bei TUIfly die praktische Ausbildung absolviert, hat dort anschließend ein Anrecht auf einen Arbeitsplatz. Auch die Vorstellung, in schlechten Zeiten bei der TUIfly einen Umweg über die Verkehrs zentrale ins Cockpit nehmen zu können, sei schlichtweg naiv, so Lehr. Wer in der Verkehrszentrale lande, bleibe dort in der Regel auch. Aber da die Flugdienstberater-Lizenz lebenslänglich gilt, sei sie so gut wie eine „Loss of License“-Versicherung. Wer beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen seine Flugtauglichkeit verliert, hätte auf jeden Fall eine weitere berufliche Qualifikation, die im Zweifelsfall vor der Arbeitslosigkeit schützt. Wer aber in die Executive-Fliegerei wechselt, kann fast sicher sein, dass seine Kenntnisse in jedem Falle hilfreich sind. Denn ein Umstieg von der Verkehrszentrale ins Cockpit sei bei kleinen Unternehmen tatsächlich realistisch, da sind sich sowohl Lehr als auch Gross sicher. In absehbarer Zeit will Gross übrigens, um seinem Unternehmen ebenfalls ein zweites, von der Situation auf dem Pilotenarbeitsmarkt unabhängiges Standbein zu sichern, die Flugdienstberater-Ausbildung auch für „Externe“, also Nicht-Flugschüler, anbieten. BRIGITTE ROTHFISCHER 2/2013

Quelle: AERO INTERNATIONAL

21. Januar 2013