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FMG-FlightTraining – Verkehrsfliegerschule am Flughafen Paderborn Lippstadt

„Nach dem Aufstehen denke ich ans Fliegen“

Von Nils Hotze

Paderborn. Blauer Himmel, die Sonne spiegelt sich im weißen Flügel. Optimale äußere Bedingungen. Eine Checkliste auf dem Schoß, Kopfhörer auf den Ohren, das Mikro nah am Mund. Sarah Kühnle bereitet sich vor. Sie ist 25 Jahre jung, Flugschülerin. Nicht bei einer Fluglinie, sondern bei FMG-FlightTraining in Paderborn.

„Nach dem Aufstehen denke ich ans Fliegen“

Der erste Funkkontakt. Kühnle antwortet freundlich, aber bestimmt. „Verknüpfe Anfragen an den Tower immer mit sowieso folgenden Funksprüchen“, rät Fluglehrer Michael Gross. Er möchte, dass seine Schützlinge auch die einmotorige Piper PA 28 fliegen wie ein Verkehrsflugzeug. Methodenlernen für die großen Flieger, auf denen Kühnle in rund einem Jahr arbeiten wird. „Wenn Sarah ausgebildet ist, überträgt sie die erlernten Verfahren auf die Boeing 737.“

Ungezählte Einstellungen an über 20 Instrumenten später steht „Husky – five, two one“, so das Funkrufzeichen, auf der Startbahn. Letzter Motorencheck, die Piper heult auf. Vorne: eine graue Asphaltpiste. Seitlich: zehn Meter Spannweite – die Lebensversicherung. Erhöhter Pulsschlag. Dann beschleunigt Kühnle, von Null auf 100 in gefühlten drei Sekunden. Atem anhalten, Tunnelblick anlegen, Hände falten – was man so macht, als Passagier.

Ganz anders Sarah Kühnle: In ihrem Gesicht paart sich pure Freude mit bedachter Entschlossenheit – und das, auf ihrem zweiten Instrumentenflug. Später wird sie sagen: „Es war nicht großartig aufregend. Wir haben die Regeln ja im Simulator trainiert.“ Gut, aber das war die Theorie von 15 Stunden. „Man lernt Verfahren, die wendet man an“, erklärt Kühnle. Letztlich sei die Fliegerei ein Handwerk, wie. andere Berufe auch. „Es gibt Procedures – die werden abgearbeitet.“ Dazu immenses
Wissen. So einfach ist das.
Bemerkenswert ruhig, beeindruckend unaufgeregt und somit beruhigend routiniert spult die 25-Jährige ihr Programm ab. „Ich bin vom Typ einfach so. Ich setz‘ mich da rein und mach‘ das dann einfach.“ Sarah Kühnle bewegt sich im Spannungsfeld von innerer Faszination für die Fliegerei und äußerlicher Souveränität in jeder Fluglage. Dabei sei sie sich stets bewusst, welche Verantwortung sie habe. „Es nützt nichts, in einer unvorhergesehenen Situation Angst zu bekommen.“ Motto: Problemanalyse, Problembewältigung.
Tanja Jäck bestätigt das. Die 25-Jährige ist – wie Kühnle – seit einem Jahr bei FMG. „Man muss Mut haben eine Entscheidung zu treffen, aber auch offen sein für die Meinung des CO-Piloten“, den sie „Partner“ nennt. Teamfähig müsse man sein – und kritikfähig. Um den schmalen Grat zwischen gebotener Dominanz und notwendiger Rücksicht zu finden, hat sie einen gut dotierten Arbeitsvertrag in München aufgelöst.

Christoph Krischmann kann das verstehen. Der 21-Jährige hat bei der Lufthansa Stufe zwei des Bewerbungsmarathons nicht bestanden – ließ sich aber nicht erschüttern. Als Schüler im Kurs des Reiseunternehmens TUI wird er von der Motivation der Kollegen angesteckt. „Nach dem Aufstehen denke ich ans Fliegen“, sagt Krischmann. Mit denselben Gedanken geht er abends ins Bett.
Nicht anders ergeht es Torben Pethke (21), dem jüngsten Piloten bei FMG-Flight-Training. Wichtig sei ihm, dass er nicht einer Schwärmerei hinterherjage. Angetrieben wird er von der Aussicht, die Welt zu sehen. „lch habe ein bisschen Fernweh.“ Und von der Faszination Fliegen: „Über den Wolken sein. Abstand nehmen von der Erde.“

Abstand zum Boden hat inzwischen Sarah Kühnle. Doch kaum ist die Flughöhe erreicht, beschäftigt sie sich bereits mit dem Landeanflug. Das Wetter in Paderborn wird abgerufen. Pausenlos justiert sie nach, berechnet Routen neu. Kühnle ist multitaskingfähig – und vorbereitet auf alle Eventualitäten. Das Wort „vorausschauend“ bekommt für einen Autofahrer neue Bedeutung.
„Das Flugzeug darf dir nicht wegfliegen“, sagt sie, „always be ahead of your aircraft.“ Sei ihm immer voraus.
Anflug mit Kurve: Was erst nur ein grauer Strich ist, wird zur Landebahn. Eine Hand am Steuer, eine am Schub. Weich setzt sie auf – die Hasen am Rollfeld hoppeln ungestört weiter. In Sarah Kühnles
Sonnenbrille spiegelt sich eine Boeing 737, ihre Mundwinkel nähern sich den Ohren, der Kopf beginnt langsam zu nicken: „Immer, wenn ich dran vorbeirolle, freue ich mich auf dieses Flugzeug.“ Pause. „Ja“, haucht sie – ganz verliebt in ihren Traum.

„Den Job in der Tasche“

„Den Job in der Tasche“Traumberuf Pilot! Aber: 95 Prozent der Bewerber fallen bei der Lufthansa durch, hören dann auf. „Zu Unrecht“, sagt Michael Gross, Geschäftsführer bei FMG-Flight-Training.

Warum lohnt es sich, den Pilotentraum zu träumen?
Michael Gross: Es wird massiv eingestellt. Die Airlines erwarten einen weltweiten Pilotenmangel über Jahre.

Was Iäuft bei FMG anders als bei anderen Schulen?
Wir haben viele Absolventen, die bei der Lufthansa gescheitert sind. Sie bringen hohe Professionalität mit, sind motiviert. Das hat zwei Grunde: Schüler, die von der TUI vorausgewählt werden, haben ihren Arbeitsvertrag in der Tasche und einen Arbeitgeber, der sie motiviert und begleitet. Das gibt es nur bei Lufthansa und FMG. 95 Prozent gehen den klassischen Weg ohne Bewerbungsverfahren. Klassik-Schüler lassen sich von den Kollegen anstecken, müssen nur die gesetzlichen Voraussetzungen mitbringen.

Die da wären?
Eine körperliche Tauglichkeit Klasse 1, eine Zuverlässigkeitsprüfung und Kenntnisse in Mathe, Englisch, Physik. Das reicht!
Ich habe schlechte Zähne, noch schlechtere Augen. Für zivile Piloten sind Größe und Plomben irrelevant. Eine Brillenstärke wird erst ab +/- 3 Dioptrien kritisch.

In der Luft ist Persönlichkeit gefragt: Wie messen Sie die Größe Charakter?
Mehrfachbelastbarkeit wird zu Beginn überprüft. Zudem achten wir auf soziale Kompetenz. Wir bringen dem Schüler bei, zehn Stunden am Tag zu lernen. Er steht 18 Monate unter Beobachtung. Das ist mehr als Assessment-Center darstellen können.

Quelle: Westfalen-Rundschau

pbr

19. März 2007